Winterfutter

Trocken- und Körnerfutter

Weichfutter


VÖGEL (Aves)

Grundsätzlich gilt, daß ein gefangener Vogel im allgemeinen wegen verringerter Ausarbeitung nie überfüttert werden darf. In diesem Punkte kommt es ganz auf die Art an und auf die Beschaffenheit der Unterkunft. Erhöhter Futterbedarf liegt naturgemäß vor zur Zeit der Eiablage beziehungsweise Aufzucht der Jungen, zur Zeit der Mauser und der Beschaffung eines gewissen Wintervorrats. Die futterlose Nachtperiode ist im nördlich-gemäßigten Klima für bestimmte tropische Kleinvögel zu lang, diese müssen daher noch spät abends und früh am Morgen schon wieder gefüttert werden (siehe Kolibris). Arten, die am Boden Futter suchen, benötigen im Käfig entsprechend große Sandkörner oder Kiesel, dies gilt vor allem für Körnerfresser. Der Kalorienbedarf eines Vogels ist im Vergleich zum Säugetier wesentlich größer und bei kleinen Arten im Verhältnis zum Körpergewicht abermals größer als bei den großen Vogelarten. Obwohl die meisten Vogelarten in der Gefangenschaft ihre Emsigkeit und Betriebsamkeit beibehalten - kleine Arten sind unruhiger und beweglicher als große - so ist doch die natürliche Ausarbeitung gemindert. Es fehlt an den Vorkommnissen, die sich alltäglich im Freileben abspielen - Witterungsumschlag, Verfolgungen und so weiter.
Daher ist die Nahrung lieber knapp als zu reichlich zu gestalten. Besonders Kleinvögel füttern wir lieber öfters mit kleinen Mengen als umgekehrt. Eine Ausnahme machen nur jene Tropenvögel, die in freier Natur im Nahrungsüberfluß leben, wie gewisse Früchtefresser der immergrünen Urwälder. Derartigen Vogelarten muß dauernd Futter an verschiedenen Stellen des Käfigs zur Verfügung stehen.


Schrifttum:

REICHENOW, Die Vögel der zool. Gärten, Leipzig 1882/84.
NAUMANN, Die Vögel Mitteleuropas, Gera1905.
NEUNZIG, Vogelpflege und -zucht: Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden, Abt. 9, H. 5,1927.
HEINROTH, Die Vögel Mitteleuropas, Berlin 1924-28.
GROEBBEI.S in: Der Zoologische Garten NP 3,1930, 263.
GROEBBEI.S, Der Vogel, Berlin 1932.
FEHRINGER, Vogelpflege, Neudamm 1927.
RUSS, Einheimische Stubenvögel, Magdeburg 1922.
RUSS, Fremdländische Stubenvögel 1921.
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Winterfütterung und Futtergemische

Die Winterfütterung von Vögeln im Freien erfolgt am besten für Weich- und Körnerfresser getrennt.
Weichfutter muß, besonders bei Frost, möglichst trocken gehalten werden, um ein Einfrieren zu verhindern. Man verwendet als Grundlage daher nur wenig geschabte und gekochte Möhren oder Stampfkartoffeln, die am besten erst noch vorgetrocknet werden. Reichlicher wird Fett (Talg) verwendet, dem beim Auslassen auch Körner, gehackte Erdnüsse oder andere Nüsse, getrocknete Beeren, Apfelschnitzel, geschnittene, getrocknete Obstschalen, Fleischfasern zugesetzt werden. Auch Haferflocken, auf heißer Pfanne nachgetrocknet, können in Fett getränkt werden. Wasser bietet man nur leicht angewärmt in gut umwickeltem Napf. Da unerfahrene jüngere Vögel darin baden und zugrunde gehen würden, darf das Gefäß nicht groß sein. Der Tier- und Vogelfreund trocknet im Spätsommer und Herbst Vogelbeeren, Mehlfäßchen, rote und schwarze Holunderbeeren, Apfelschnitzel und -schalen, Beeren des Schneeballs. Es versteht sich dabei für den Tierfreund, daß er nicht zu rigoros die Früchte einheimst und zum Beispiel einen einzelnstehenden Vogelbeerbaum radikal plündert. Man nehme immer nur die untersten Trauben weg und lasse weiter oben grundsätzlich genug für die anderen Vögel stehen!
Dörrobst kann zerkleinert und mit Talg, Bröseln, Flocken und so weiter untermischt werden. Man legt das Futter unter einem überhängenden Schutzdach aus, das vor Regen und Schnee schützt. Mit dem Füttern wird in kleinen Mengen schon frühzeitig begonnen, um die Tiere an eine Futterstelle zu gewöhnen. Mit Eröffnung einer solchen muß man dann allerdings den ganzen Winter hindurch weiter füttern und darf im Vorfrühling nur allmählich aufhören.
Meisen leiden im Winter relativ weniger, da sie auch bei größter Kälte noch Insektenpuppen, Spinneneier und so weiter zu finden wissen. Besonders bei Tauwetter und plötzlichem neuen Frost, der die Baumstämme mit Eis überzieht, droht ihnen Gefahr. Am meisten leiden in Mitteleuropa die Amseln, da die beerentragenden Bäume und Sträucher immer seltener werden. Keinesfalls dürfen Semmeln oder Brot naß verfüttert werden.
Körnerfresser erhalten am besten ein Gemisch, aus dem alle anfliegenden Arten sich das Zusagende auswählen. Geschnittene Beeren oder Rosinen, Backobst, zerdrückte Erdnüsse und dergleichen können auch hier neben Öl oder Talg zugegeben werden oder "Swoop" Wildvogelfutter.


Futtergemische

Trocken- oder Körnerfutter

Fertig käufliche Gemische enthalten in verschiedener Zusammensetzung verschiedene Hirsearten, Mohn, Hanf, Rübsen, Grassamen, Lein- und Spitzsamen und so weiter. Je nach Vogelart und Mitteln fügt man Ameisenpuppen, Grünzeug, Salat, Obst, Beeren, Spitzwegerich, Eikrümel oder auch Mahlfleisch zu. Auch hier ist einige Abwechslung wichtig: Viele "Körnerfresser" nehmen zwischendurch mit Behagen einmal eine Weichfressermahlzeit zu sich. Auch Insekten oder Insektenfutter kann beigegeben werden.
Während der Vogelhändler ebenso wie der Zoologische Garten, Vogelpark und so weiter mehr oder weniger auf Fertigmischungen angewiesen ist, kann der Liebhaber und Halter einiger weniger Arten auch von Ausflügen für seine Pfleglinge abwechslungsreiche Sämereien in kleinerer Menge mitbringen. Er kann damit auch in Notzeiten durch einiges "Botanisieren" auskommen. Kletten und Disteln sind besonders für Stieglitze wertvoll. Allgemein für Singvögel gut brauchbar sind weiter: Miere, Wegerich, Gräser, Löwenzahn, Hornkraut, Hirtentäschel, Bocksbart, Ochsenzunge, Vergißmeinnicht, Natternkopf, Knöterich, Dost, Hohlzahn, Schafgarbe, Buchweizen. Auch Körnerfresser können, wie schon erwähnt wurde, zwischendurch Weichfutter bekommen, und lieben neben einigen Beeren auch Knospen, zum Beispiel von Birke, Eiche oder Esche (735). Es sei hier aufmerksam gemacht auf die reifen Kapseln des Rührmichnichtan, das man zweckmäßig mit dem Ketschernetz abstreift, da die reifen Kapseln sonst bei Berührung aufspringen und den Samen wegschleudern. Als Abwechslungsbissen dient zum Beispiel für Zeisige auch die Feige wegen der winzigen Samen.
Glanzsamen kann von Mutterkorn verseucht sein (486). Auch Hanf kann verderblich wirken, wenn er gebeizt ist, was allerdings durch Anhangszettel kenntlich gemacht sein muß (1076). Auch Befall durch Kornkäfer kann den Vogeldarm schädigen (1083). - Im übrigen hat der Vogelsamen nur begrenzte Lebensdauer, man darf daher zum Keimen nur kleinere Mengen einweichen, da die Möglichkeit von Gärungen besteht (1040). Man tut gut, keimenden Samen etwas umzuwühlen (1106). Schaumgummimatten auf einem Backblech können mit Körnerfutter bestreut werden und im Winter das wichtige Grün liefern.
Das Vorkeimen von Körnern kann auch sehr gut in Plastiksieben erfolgen, die auf einer Unterlage eingeweicht werden und dann trocken hängen bleiben - je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Der Keimvorgang dauert etwa 4 Tage, und man setzt täglich ein neues Sieb an. Dieses Verfahren ist insofern besser, als Schaumstoffunterlage die Grundlage von Fäulnis werden kann (482). Bei größerem Bedarf kann man auch Drahtnetze nehmen, womit täglich 1 - 2 Quadratmeter Fläche geerntet werden kann. Für Hirse und anderen Samen wird auch eine Keimtruhe empfohlen, mit Rupfen bespannt, der entsprechend befeuchtet wird (723).
In der Großstadt ist das scheinbar gekünstelte Vorkeimfutter besonders wichtig: Anderes Grün kann wegen Kunstdüngers und anderer Verunreinigungen verderblich wirken (1169).

Ein Trockenfutter, das auch Weichbestandteile und Fleisch enthält, kann bestehen aus: 2 l/2 Kilogramm geriebenem Weißbrot, 1/2 Kilogramm Gelbwurz, 250 Gramm Ameisenpuppen, 250 Gramm gehacktem Grünkohl oder Salat mit Hanfsamen, 1 1/2 Kilogramm Preßmilch, 2 Kilogramm Mahlfleisch.


Weichfresserfutter:

Die Grundlage kann Waffelbruch, altbackene eingeweichte Semmel mit oder ohne Quetschkartoffeln sein. Hinzu gibt man getrocknete Insekten, die als Insektenschrot fertig käuflich sind, und Mahlfleisch, besonders Rinderherz. Zugesetzt werden Harteier, Weißwürmer, etwas feingeschnittenes Grünzeug oder geschabte Äpfel. Je nach Jahreszeit weiter Vogel-, Holunderbeeren oder gequellte Rosinen. Auch Möhren können zum Anmachen verwendet werden, man kann auch Möhren, Wasser, Apfel und Milch abwechselnd verwenden. Bei sehr empfindlichen Vögeln bietet die Möhre zuviel Rückstände: Hier verwendet man reinen Möhrensaft, wie ihn der Entsafter liefert. Die Masse muß gut durchmischt und etwas feucht sein, sie darf weder krümeln noch schmieren. Auch geriebener Käsequark kann verwendet werden. Hinzu gibt man gegebenenfalls lebende Insekten, Mehlwürmer, Ameisenpuppen. Künstliche Ameisenpuppen werden mitunter als Ersatz gern genommen (229), doch sind die Erfolge bestritten (230). Auch weichgekochte Spaghetti kleingeschnitten können untergemischt werden. Webersches Weichfutter wird weder sauer noch schimmelig (231) und verhindert zu großen Fettansatz (232). Stets kann man Obst, Eierbrot oder Biskuit untermischen, auch eingequelltes Dörrobst, Ameisenpuppen, Musca, Daphnien (732), pulverisierte Garnelen, Kükenalleinfutter "Grünsiegel" oder "Triumph" werden gründlich in einer Mohnmühle zermahlen. Rohe, nicht zu alte Erdnüsse, eventuell mit Erdnußöl angefeuchtet, können zugesetzt werden und müssen 24 Stunden gut durchziehen, wobei der Behälter offen bleibt (732). Ein fertiges Fettfutter gibt es in verschiedenen Ausführungen. Seit der ersten Einführung dieser Methode ist sie bereits erheblich verbessert worden (1016, 984, 1028).
Milch, die keineswegs summarisch verwendet werden sollte (1039) hat den Nachteil, gegebenenfalls schnell zu säuern. Möhrensaft zugesetzt hält diesen Prozeß auf (978). Relativ lange haltbar ist auch durchgekochter und durch Sieb gepreßter Quark.
Eibiskuit wird nach Aufquirlen von Eigelb und Eiweiß mit etwas Wasser hergestellt, indem man das Ganze mit Weizenmehl zu einem Teig knetet und gut ausbackt. Nach Abkühlen kann die Masse auf Reibeisen gerieben werden (1011). Bei völligem Durchbacken besteht auch keine Gefahr von Seiten importierter, salmonellenverseuchter Eier.
Carotin (521) wird vom Vogel verschieden verwertet und ist mehrfach, aber keineswegs überall ein Mittel zur Erhaltung der Federfarben (763). Wertvoll sind der Sanddorn als Vitaminträger (1087) und die Tomate. Vitamin-Honigmilch mit etwas Obst kann als wertvolles Zusatzmittel dienen (477).